Bava Batra 260

Kapitel 260

א מה תלמוד לומר (דברים כא, טז) לא יוכל לבכר
1 Wozu heißt es: <i>er darf nicht</i> <i>die Erstgeburt verleihen</i>?
ב לפי שנאמר והיה ביום הנחילו את בניו שיכול והלא דין הוא ומה פשוט שיפה כחו שנוטל בראוי כבמוחזק התורה נתנה רשות לאב להנחיל לכל מי שירצה בכור שהורע כחו שאינו נוטל בראוי כבמוחזק לא כל שכן תלמוד לומר לא יוכל לבכר
2 Da es heißt: <i>und am Tage, an dem er seine Söhne erben läßt,</i> so könnte man hieraus folgenden Schluß eruieren: wenn die Tora dem Vater freigestellt hat, den einfachen Anteil, hinsichtlich dessen [der Erbe] ein starkes Recht hat, denn er erhält vorn Anwartschaftlichen wie vom Vorhandenen, jedem zu vererben, der ihm beliebt, um wieviel mehr gilt dies vom Erstgeburtsanteil, hinsichtlich dessen er nur ein schwaches Recht hat, denn er erhält nicht vom Anwartschaftlichen wie vom Vorhandenen. Daher heißt es: <i>er darf nicht die Erstgeburt verleihen.</i>
ג ויאמר לא יוכל לבכר מה ת"ל והיה ביום הנחילו את בניו
3 Und wenn es nur hieße: <i>er darf nicht die Erstgeburt verleihen,</i> und nicht: <i>am Tage</i>, <i>an dem er seine Söhne erben läßt,</i>
ד שיכול והלא דין הוא ומה בכור שהורע כחו שאינו נוטל בראוי כבמוחזק אמרה תורה לא יוכל לבכר פשוט שיפה כחו שנוטל בראוי כבמוחזק לא כל שכן
4 so könnte man folgenden Schluß eruieren: wenn die Tora vom Erstgeburtsanteil, worauf [der Erbe] nur ein schwaches Recht hat, denn er erhält nicht vom Anwartschaftlichen wie vom Vorhandenen, gesagt hat, man dürfe ihn nicht verleihen, um wieviel mehr gilt dies vom einfachen Anteile, hinsichtlich dessen er ein starkes Recht hat, denn er erhält vom Anwartschaftlichen wie vom Vorhandenen.
ה ת"ל והיה ביום הנחילו את בניו התורה נתנה רשות לאב להנחיל לכל מי שירצה
5 Daher heißt es: <i>und am Tage, an dem er seine Söhne erben läßt;</i> die Tora hat dem Vater freigestellt, [sein Vermögen] dem zu vererben, der ihm beliebt.
ו א"ר זריקא א"ר אמי א"ר חנינא אמר רבי הלכה כר' יוחנן בן ברוקה אמר ליה ר' אבא הורה איתמר
6 R. Zeriqa sagte im Namen R. Amis im Namen R. Ḥaninas im Namen Rabbis: Die Halakha ist wie R. Joḥanan b. Beroqa. R. Abba sprach zu ihm: Es wurde gelehrt: er entschied. –
ז במאי קמיפלגי מר סבר הלכה עדיפא ומר סבר מעשה רב
7 Worin besteht ihr Streit? – Einer ist der Ansicht, eine Halakha sei bedeutender, und einer ist der Ansicht, ein Ereignis sei bedeutender.
ח תנו רבנן אין למדין הלכה לא מפי למוד ולא מפי מעשה עד שיאמרו לו הלכה למעשה שאל ואמרו לו הלכה למעשה ילך ויעשה מעשה ובלבד שלא ידמה
8 Die Rabbanan lehrten: Man folgere keine Halakha aus dem Studium noch aus einem Ereignisse, sondern nur, wenn gesagt wird, es sei eine Halakha für die Praxis. Wenn einer gefragt und man ihm eine Halakha für die Praxis gesagt hat, so gehe er und handle danach, nur darf er nicht vergleichen. –
ט מאי ובלבד שלא ידמה והא כל התורה כולה דמויי מדמינן לה
9 Wieso darf er nicht vergleichen, die ganze Tora besteht ja nur aus Vergleichungen!?
י אמר רב אשי הכי קאמר ובלבד שלא ידמה בטרפות
10 R. Aši erwiderte: Nur darf man beim Totverletzten keine Vergleichungen anstellen,
יא דתניא אין אומרים בטרפות זו דומה לזו ואל תתמה שהרי חותכה מכאן ומתה חותכה מכאן וחיתה
11 denn es wird gelehrt: Man darf beim Totverletzten nicht sagen, dies gleiche jenem. Dies soll dich nicht wundem; denn man schneidet [das Vieh] an einer Stelle, und es verendet, und man schneidet es an einer anderen Stelle, und es bleibt leben.
יב א"ל ר' אסי לר' יוחנן כי אמר לן מר הלכה הכי נעביד מעשה אמר לא תעבידו עד דאמינא הלכה למעשה
12 R. Asi sprach zu R. Joḥanan: Sollen wir, wenn der Meister zu uns sagt, so sei die Halakha, danach eine Entscheidung treffen? Dieser erwiderte: Ihr dürft nicht eher eine Entscheidung treffen, als bis ich zu euch gesagt habe: so sei die Halakha für die Praxis.
יג אמר להו רבא לרב פפא ולרב הונא בריה דרב יהושע כי אתי פסקא דדינא דידי לקמייכו וחזיתו ביה פירכא לא תקרעוהו עד דאתיתו לקמאי אי אית לי טעמא אמינא לכו ואי לא הדרנא בי לאחר מיתה לא מיקרע תקרעוהו ומגמר נמי לא תגמרו מיניה לא מיקרע תקרעיניה דאי הואי התם דלמא הוה אמינא לכו טעמא
13 Raba sprach zu R. Papa und R. Ḥona, dem Sohne R. Jehošua͑s: Wenn eine Entscheidung von mir zu euch gelangt und ihr findet, daß sie zu widerlegen sei, so zerreißt sie nicht eher, als bis ihr zu mir gekommen seid; kann ich sie begründen, so sage ich es euch, wenn aber nicht, so trete ich zurück. Wenn nach meinem Tode, so sollt ihr sie nicht zerreißen,